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29. Januar 2011
 
Mein lieber Freund
 
Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.
Mamusch malt diese Buchstaben sehr behutsam
auf das Papier. Und auch ich liege ganz still bei
ihr. Und der Yayo. Und Kleiner Bruder. Wir wollen
den Klang der Stille nicht zerstören. Es ist ein sehr
schöner Klang. Und ein sehr trauriger zugleich.
Es ist so kalt draußen. Wir werden heute nicht mehr
hinaus gehen. Auch nicht zu dem Stern. Paps sagt,
dass Sterne über alles bescheid wissen. Sie kennen
sehr viele schöne Geschichten. Und sehr viele traurige
Geschichten. Manchmal, wenn selbst sie machtlos sind,
gegenüber dem, was geschah und dem, was geschehen
mag, beginnen sie aus den Tränen der Menschen einen
wunderschönen Regenbogen zu binden. Mitunter sind
Sterne so traurig, dass sie auch ein bisschen weinen
müssen, und wenn sie ihre Tränen geweint haben, so
neigt der schöne Regenbogen sich über das ewige Tal.
Paps sagt, das ewige Tal ist ein sehr schönes Tal. Von dort
darf man auf alle Menschen herunter sehen, die man
liebt. Und nach denen man sich sehnt. Paps hat immer
Recht. Wie gern würde ich meinen Fang in seine Hände
schieben und gucken, ob da ein Keks drin liegt. Seine
Hände werde ich nie mehr fühlen dürfen. Er hat uns
verlassen. Mich, ... Atila Morgenstern, hat er verlassen.
Und den Yayo. Und Kleiner Bruder. Mamusch sagt, Paps
stünde noch ganz dicht neben uns. Sie könne es fühlen,
dass er nicht fort ist. Auch wenn wir ihn nicht sehen,
bleibt er ganz nahe. So nahe, wie wir Mamusch  bleiben
werden. Die ganze Zeit, während sie weint. Während wir
alle weinen. Mamusch  hätte so gern ihr Herz gegeben.
Für Paps. Seines hat aufgehört zu schlagen. Es wurde mit
einem Mal sehr krank und schwach. Doch die Ärzte im
Krankenhaus konnten das Herz von Mamusch nicht
gebrauchen. Nun ist es zerbrochen. Weil Paps gestorben
ist. Weil er so sehr leiden musste. Weil Mamusch zu ihm
gesagt hat, dass es in Ordnung ist, wenn er hin zu dem
ewigen Tal gehen möchte. Nachdem sie es zu ihm gesagt
hatte, ging er fort. So etwas zu sagen, tut sicherlich sehr,
sehr weh. Doch wenn man es zu jemanden sagt, den man
so sehr liebt, dann wird es seine Richtigkeit haben. Auch
wenn es ganz doll weh tut. Ich weiß, dass Mamusch unseren
Paps täglich auf seinem Handy anruft und ihm sagt, dass
wir ihn vermissen. Dass es kalt ist ohne ihn. Dass er noch
nicht ganz weggehen soll. Es gibt so viele Dinge zu tun. Wir
sind sehr artig und warten geduldig darauf, dass Mamusch
uns in den Arm nimmt. Wenn wir ganz eng beieinander
liegen, erzählen wir uns kleine Geschichten. Manchmal
rücken wir noch ein bisschen enger zusammen. Damit Paps
noch dazwischen passt. Er mag Geschichten. In der letzten
Nacht haben wir uns sehr viele Geschichten erzählt. Gern
wäre ich mit Mamusch hinaus gegangen, um meine
Gebete weit in den Himmel zu werfen. Mamusch aber hat
gesagt, dass der Stern seit drei Tagen fortgezogen ist. Er
braucht seine Zeit. Für Paps. Er soll glücklich sein. Und
zufrieden mit uns. Deshalb lassen wir dem Stern die Zeit,
die er braucht. Vielleicht werde ich dir in der nächsten
Weile nicht mehr schreiben. Ich muss nahe bei Mamusch
bleiben. Wir alle müssen nahe beieinander bleiben. Weil
es so kalt geworden ist. Vielleicht kann ich nie wieder je
ein Wort auf dieses Papier malen. Oder Mamusch. Paps
hat uns verlassen. Er zog fort mit dem Stern. Einfach so.
Wir werden uns in dieser Nacht auch wieder kleine
Geschichten erzählen. Vielleicht werden wir weinen.
Ganz leise. Damit wir den Klang der Stille nicht zerstören.
 
Dein Atila Morgenstern
 

 

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