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14.September
 
Liebes Tagebuch,
heute sehnt es mich, dir einige Dinge anzuvertrauen.
Wie schnell doch die Zeit vergeht. Nun wird es draußen langsam herbstlich und drinnen urgemütlich. Wie schön ist es doch, ein Plätzchen sein eigen nennen zu dürfen, an dem man sich schön einkuscheln kann. Paps sagt das auch. Er ist ein so richtiger Sofakuschelyayotyp. Diese zwei Kameraden  haben sich beschnuppert und gefunden. Sie radeln auch gemeinsam. Das heißt ... Paps sitzt auf dem Rad und umklammert den Radlenker, und der Yayo rennt, was das Zeug hält. Er  kann gar nicht genug davon kriegen. Nicht er ist außer Atem ... sondern Paps, wenn  sie wieder heimkommen. Mamusch radelt nicht mit Yayo. Nach ihrem, in freudiger Erwartung,  erstem Versuch, (aber bitte behalte es für dich) hat sie das Rad wieder in den Schuppen gestellt. Wortlos! Später vertraute sie mir folgendes an  ;  "Weißt du, sagte sie, zuerst lief alles wunderbar. Doch dann wunderte ich mich darüber, was mit meinen Füßen passierte. Sie drehten die Pedalen des Rades mit derartiger Geschwindigkeit, dass man sie ohne weiteres mit einem hervorragend, funktionierenden Teigquirll hätte vergleichen können. Autos, Büsche und sprachlos  staunende Nachbarn flogen an uns vorbei.  Ständig hatte ich die gerunzelte Stirn von Paps vor den Augen. Und der kleine Yayo rannte und rannte!  Wie gut, dass ich die Leckertüte mit hatte. Erst als ich "Leckerchen" rief, da hielt er an  und öffnete erwartungsvoll die Schnüss." ..Den Weg nach Hause hat  Mamusch das Rad geschoben. Aus Sicherheitsgründen. Ich würde  auch so gern am Rad laufen. Mit Mamusch. Aber wegen meines zertrümmerten Beines darf ich es nicht. Doch dafür strolchen wir durch den Wald. Am schönsten ist es am Abend. Wenn niemand dort ist. Dann haben wir den großen Wald für uns ganz allein. Erst vorgestern haben wir Rehe gesehen. Sie verharrten hinter den Büschen und sahen beinahe neugierig zu uns herüber. "Du darfst sie nicht jagen", flüsterte Mamusch und hielt in ihrem Schritt inne. Sonst zeigen sie sich nicht mehr und verstecken sich vor dir. Natürlich werde ich sie niemals jagen. Auch nicht zum Spaß. Denn sie sollen glücklich sein. Wie ich. Aber der Yayo... der jagt, dass die Bolzen krachen.  Ich habe es Kleiner Bruder erzählt, weil in dieser wichtigen  Angelegenheit unbedingt etwas unternommen werden musste. Kleiner Bruder seufzte schwer und nahm Yayo zur Seite. "Alle sagen, du wurdest zum Sterben verurteilt, weil dein spanischer Herr, ein Jäger, sehr unzufrieden mit dir war!  Warum tust du es jetzt?" Und Yayo sah so unglücklich aus, als er uns seine Geschichte erzählte. "Natürlich jage ich! Ein Podenco ist nun mal ein exzellenter Jäger. Das liegt ihm im Blut!  Dennoch  tut er es aus Liebe zu seinem Herrn. Ich aber habe meinen Herrn gehasst. Er war nicht gut zu mir. Und er war nicht gut zu  vielen anderen von uns. Wir mussten mit ansehen, wie ein Kamerad aus der Meute erhängt wurde, weil er ein schlechter Jäger war. Es hat sehr lange gedauert, bis sein Leiden beendet war und niemand von uns wird seine furchtbare Qual wohl je vergessen. So habe ich nicht mehr für meinen Herrn gejagt. Keinen Hasen und auch niemand anderen. Dass mir der Galgen erspart wurde, grenzt an ein Wunder. Vielleicht hatten die Engel Ausgang an diesem Tag. Nun aber werde ich jagen, weil Paps und Mamusch zufrieden mit mir sein sollen!"
Kleiner Bruder seufzte noch ein wenig lauter. "Sie werden traurig sein. Denn weißt du nicht von den sieben heiligen Geboten, die jeder von uns mit auf seinen Weg bekommt,  wenn er in die Welt der Menschen einkehrt?"    .... Du sollst nicht töten. Weder deinesgleichen noch ein anderes Leben. Behandle alles mit Respekt. Selbst die kleinste Blume und den unscheinbarsten Schmetterling. Handle, von dem du weißt, dass es richtig ist für das höhere Gute. Sei ein Teil von dem, was du tust und wonach es dich sehnt. Zerstöre nicht, was du fürchtest, denn was Furcht über dich bringt, zerstört sich selbst. Wenn du zu träumen wagst, dann erträume auch für deinen Nächsten einen schönen Traum. Alle Tiere tragen eine große Macht in sich. Nutze sie, wenn du den Schmerz gespürt und deine Tränen geweint hast .....
Ich sagte ja schon, dass Kleiner Bruder eine wirklich große Persönlichkeit ist. Aber diese Worte trafen mein Herz. Und das von Yayo. Wir weinten ein bisschen. Ganz leise. Und Yayo versprach, nicht mehr zu jagen. Kein Mäuschen, keinen Igel, keinen Hasen und auch keine Pusteblume. Dann, sagte er,werde ich für jemanden einen schönen Traum träumen und die Engel bitten, ihn weit fort zu tragen. Zu Reina! Ich weiß, dass sie jede Nacht weint. Weil sie niemanden gefunden hat, der sie liebt. Niemanden, der sein Gesicht nahe an das ihre legt. Niemanden, der ihr kleine Geschichten erzählt, wenn es draußen in Strömen regnet... 
"Wir alle werden einen schönen Traum träumen", sagte Kleiner Bruder. "Das sind dann drei Träume, und die von Paps und Mamusch wären zusammen fünf Träume. Für Reina.  
Liebes Tagebuch. Ich mache mir Sorgen. Vielleicht haben die Engel in dieser Nacht gar keinen Ausgang?  Aber wenn ich nun all meine Kraft sammle und den schönsten aller Träume zu träumen beginne, wird vielleicht ein Wunder geschehen. Irgendwann.
Dein Atila Morgenstern

05. Oktober 2010
 
Träume sind einfach wunderbar.
Wusstest du, mein lieber Freund, dass Träume bis hoch in den Himmel fliegen können?
Und wusstest du auch, dass die Engel sogar in der Nacht arbeiten?
Eigentlich arbeiten Engel rund um die Uhr, sagt Paps!  
Weil sie so viele Träume zu bearbeiten haben, wenn der schöne Stern gerade in dem Moment etwas anderes tun muss. 
Sie eilen durch Licht und Schatten, ohne auch nur einen einzigen Traum zu verlieren.
Ich möchte dir etwas ganz Wichtiges erzählen. Unsere Träume ... sind zuallererst bearbeitet worden.
Die liebe Reina wird niemals mehr weinen müssen. Denn sie hat jemanden gefunden, der sein Gesicht nahe an das ihre legt
und ihr kleine Geschichten erzählt, wenn es draußen in Strömen regnet.
     Du bist mein bester Freund, und daher werde ich dir jetzt eine wunderschöne Geschichte anvertrauen.
Ich habe gelernt, dass auch Bäume eine Seele haben. Ja, sie weinen mitunter. Oder flüstern miteinander. 
Zuerst wollte ich es gar nicht glauben. Doch Kleiner Bruder, der Philosoph, lügt nicht. Niemals.
 In Stuttgart, sagte er, müssen dreihundert wunderschöne, alte Bäume eines furchtbaren Todes sterben.  Er weiß es von Mamusch und Paps.
Die Menschen wollen einen neuen Bahnhof bauen. Viele haben geweint und dagegen protestiert. Aber es wird wohl kaum etwas nutzen.
Heute waren wir in unserem Wald und ich sah die vielen Bäume ganz genau an.  Wir sind ganz tief in den Wald zu einer Stelle, die
Mamusch recht heilig zu sein scheint. Sie setzte sich auf einen großen Stein und sah in die Baumkronen. Manchmal, sagte sie, gibt es Dinge
zwischen Himmel und Erde, die sich ihren Weg selbst suchen. Gespannt ließen wir uns in das weiche Moos nieder. Kleiner Bruder, Yayo,
und ich, Atila Morgenstern.  Es war so wunderschön an diesem Ort. Schade, dass du  nicht dabei sein konntest.
Dann erzählte Mamusch die Geschichte von dem alten Baum, der auch einen schrecklichen Tod sterben sollte.
    ..

Die Geschichte von dem alten Baum können-Sie hier lesen

Wir haben gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war, während Mamusch die Geschichte von dem armen Baum und der kleinen Elfe erzählte. Es war schon richtig dunkel
geworden an diesem schönen Ort. Vielleicht lag es an der Geschichte ... ich meine, dass es von den Bäumen her zu flüstern begann. Der Wind strich durch ihre Blätter und bewegte die
Äste hin und her. Aber ich musste unbedingt noch etwas Wichtiges fragen. auch wenn es sicherlich störend wirkte, in all dem Geraune der Bäume.  "Hast du mit der Elfe gesprochen? Hast 
du sie gesehen?" Mamusch legte den Zeigefinger an ihre Schnüss. "Manchmal, mein Morgenstern, ist es besser, ein Geheimnis zu hüten und es fest in seinem Herzen einzuschließen, damit
es dort bleibt bis zu dem Tag, wenn die Tür sich öffnet auf den Weg in das ewige Tal. Ich tue es für dich und für mich, und ich tue es für all die Seelen der uralten Bäume. Denn ihnen ist
nichts anderes geblieben als verlorene Träume!"  Yayo machte ein sehr philosophisches Gesicht. Beinahe sah er aus wie Kleiner Bruder, wenn der zu dem schönen Stern hinauf sieht.
"Glaubst du, die Menschen würden sich aufmachen und die kleine Elfe zu jagen beginnen?"  "Oh ja, das glaube ich!"  "Und glaubst du, dass sie dann sehr glücklich wären?"
"Niemand, der etwas Heiliges zu jagen beginnt, wird je wirklich glücklich sein, weißt du." 
"Werden die Menschen trotzdem all diese schönen Bäume fällen, wegen des neuen Bahnhofes?" Mamusch sah eine Weile in die Dämmerung hinaus. Dann seufzte sie so schwer, dass ich
es für geradezu notwendig hielt, mich eng an sie zu kuscheln. "Ja, sie werden es trotzdem tun. Auch wenn sie wissen, dass jeder Baum, der gefällt wird, diese große weite Welt noch kälter
und hoffnungsloser werden lässt."
Wir saßen noch eine Weile eng aneinander gekuschelt zusammen. Dann gingen wir heim und jeder von uns hing seinen Gedanken nach. Liebes Tagebuch. An dieser Stelle möchte ich dir sagen,
dass Mamusch uns noch etwas gesagt hat. Aber ich werde es ganz fest in meinem Herzen einschließen. Kleiner Bruder und auch der Yayo haben es getan. Du weißt schon ... ein Geheimnis
muss man hüten. Auf Biegen und Brechen.
Auf bald, mein lieber treuer Freund
dein Atila Morgenstern
 

04. November
 
Mein lieber Freund,
 
Ich habe dich einige Zeit vernachlässigt.
Bitte entschuldige! 
Habe aber jeden Tag an dich gedacht.
Leider hatte ich alle Pfoten voll zu tun. Denn der Yayo und Kleiner Bruder
waren krank.. Sie hatten einen schlimmen Husten und ich übernahm die 
Aufgabe, nahe an ihrer Seite zu bleiben und mich als Schmerztherapeut
zu betätigen.
In erster Linie achtete ich darauf, dass sie jeden Tag regelmäßig von diesem 
leckeren Hustensaft einiges zu sich nahmen. Der mir verwehrt blieb!
    Leider bekam ich keinen Husten. Auch keinen kleinen.
Sobald Mamusch mit der Medizin an das Lager der Kränkelnden herantrat,
hielt ich eiligst meine Schnüss unter dem Teelöffel, damit wenigstens einige
Tropfen für mich abfielen. Als sie es bemerkte, verabreichte sie den Saft in kleinen
Absackergläschen. Da tropfte nix mehr herunter und ich  machte mir Gedanken
wegen dieser Ungerechtigkeit. Kleiner Bruder hatte , wie immer in solchen
Situationen, die psychologische Eingebung,  dass man sich in Ausnahmefällen
wie diesem einen Husten aneignen kann. Er hört sich ungefähr so an ...
... Öchelröchelgibheröchelkröchelmachschonchrö chelnagehtdochröchel ... ! 
Ja, so war das mit meinem Husten und Mamusch machte ein wirklich besorgtes
Gesicht. Ich musste zum Fiebermessen antreten. (Keine angenehme Angelegenheit,
sag ich dir), aber sonst lief alles nach Plan. Wenigstens bekam ich den Saft zur 
Vorsorge zwei heilige Tage lang. Dann konnte ich leider nicht mehr husten,
weil mir der Hals so weh tat.
Heute möchte ich dir von einem Hund erzählen, den ich im Wald traf. Er sah nicht gut
aus. Auf seinem Kopf waren lauter Narben. Die Leute sagen, es wäre ein böser Hund.
"Es gibt keine bösen Hunde", erklärte Mamusch mir und machte ein ernstes Gesicht.
Paps sortierte seine drei, und Kleiner Bruder die elf Falten unter seinem Haupthaar.
 
"Natürlich gibt es keine bösen Hunde!  Aber es gibt Menschen, die zwar nicht unbedingt 
böse sind, aber ein wenig nachlässig in ihren Gedanken!" Ich finde, dass Paps ein sehr 
kluger Mann ist. Wo er Recht hat, da wächst kein Gras mehr.
"Dann ruf mal das Rudel zusammen", sagte Mamusch und meinte mich. Weil ich 
 ihr am nächsten stand und angestrengt auf ihr Vollkornbrot starrte. "Vielleicht ein
klitzekleines Stückchen als Wegzehrung?"  Aufgeregt nahm ich alles und rief also
das Rudel zusammen. Paps und Yayo kamen sofort. Kleiner Bruder brauchte seine
Zeit! Das ist eben so! Aber er kam in den folgenden Minuten.
"Mamusch setzte sich auf ihren Drehstuhl und sah uns der Reihe nach an.
"Ich werde euch jetzt mal eine kleine Geschichte erzählen!, und zwar die Geschichte
von dem Hund aus dem Heim."
"Ein Heim ist sicher etwas ganz Schreckliches", flüsterte Kleiner Bruder mir zu.
"Ein Heim, wies ich ihn zurecht, ist eine gute Sache. Gäbe es die Engel nicht, die dort
von früh bis spät ihre Gebete sprechen, dann wäre ich jetzt nicht mehr am leben.
Und der Yayo auch nicht. Betroffen sah er aus. Ja, das kannst du mir glauben.
 
Die Geschichte vom Narbengesicht können Sie hier lesen.

--Ich habe Paps noch nie weinen sehen. Die ganze Zeit meines Hierseins nicht. 
Nun weinte er leise, und seine Tränen tropften von der Nasenspitzte auf das Kuschelsofa.
Ich mußte etwas tun. Etwas sehr Wichtiges.  Ich schleckte seine Tränen ab.
"Hast du ihn gekannt?"
"Ja, mein Freund. Wir haben ihn  gekannt! Und wir haben ihn geliebt!"
Kleiner Bruder nahm mich zur Seite. "Bitte frag nicht weiter. Er war auch mein Freund!"
 "Du hast uns", sagte ich. "Ihr habt uns", verbesserte der Yayo und weinte auch ein bisschen.
Gern hätten wir noch den schönen Stern besucht. Aber er ist fort. Seit einigen Tagen.
"Er wird sicherlich bald wiederkommen", sagte Paps. Wahrscheinlich ist unser Stern wieder
auf einem seiner Wege in das Zauberland. Er trägt Jello dorthin. Es war sein Wunsch.zu gehen.
Seine Familie ist sehr traurig darüber. Aber er durfte glücklich sterben. Weil er ein schönes
Leben hatte.  Wir wünschen dir Glück, Jello. Ein ganz großes Glück.
 
Liebes Tagebuch.. Ich hoffe, dass der Stern bald zurück ist von seiner Reise. Denn ich habe zwei
Wünsche, die schwer auf meinen Schultern lasten. Das ist nicht gut für mein zertrümmertes
Bein. Ich möchte ihm von  Koda berichten. .Er ist sehr traurig. Unsagbar grausame Menschen
haben ihn aufgehängt. Einfach nur so. Weil sie gucken wollten, wie lange er stirbt! Sein Glück
war, dass in wirklich aller- allerletzter Sekunde die Polizei es bemerkte und ihm helfen konnte.
Trotzdem weint er. "Wer sollte mich schon lieben", sagt er.
"Mich!  Einen Hund mit einem beinahe durchgeschnittenen Hals."
Manchmal verstehe ich diese Welt nicht.
Große Welt aus Eis ..
 

21 November
 
An dich ...
mein schweigender Freund.
 
Wusstest du, dass die Kraft des positiven Denkens
großartige Wunder vollbringen kann?
Ja., du kannst es mir glauben!
 Ich habe es am eigenen Leib erfahren.
Letzte Woche. Da war ich nämlich sehr krank.
Mein zertrümmertes Bein machte mir zu schaffen.
Es war alles darinnen entzündet. Der Doktor sagte:
 "Hm .. und oh .. na ja!  Dann wolln wir mal ...
Diese Worte lösten in mir große Bedenken aus.
Wahrscheinlich war ich schwer erkrankt und dachte
wehmütig darüber nach, dass vielleicht nun alles
zu ende  ginge mit mir.
Dass ich die Leckerdose nie wieder sehen würde!
Alle, die ich liebte und die mich liebten. Vorbei! Aus! Tot!
Ich ließ alles hängen. Meine Ohren, und was sonst noch
an mir hängt.
Aber Kleiner Bruder, der Allwissende, legte  mir seine
Pfote auf das andere, gesunde Bein und sah väterlich
aus. So richtig urväterlich  gemütlich sah er aus!
..."Sei einfach du selbst", sagte er. "So schnell kommen
die nicht.  Die Männer in den schwarzen Anzügen.
Mit einem, für deinen Körper zugeschnittenen Karton
unter ihrem Arm, in den sie dich reinpacken , und den
 Deckel drüber stülpen! Da passt ja noch nicht mal ein
Mettendchen mit rein. So eng ist es da drinnen. Willst
du das?"
"Nein! Natürlich nicht."
" Ohne Fresspaket geht man nirgendwohin", äußerte sich
Paps. "Wer weiß, wie lange die Männer in den schwarzen
Anzügen einen in solch  eisekalten Kühlraum  schieben,
 und da liegen lassen, .. womöglich tagelang ... bis man
woanders hinkommt, nur weil Sonntag ist, Urlaub oder
 Schichtwechsel. Was ist, wenn die mal streiken?
Du liebe Güte!  Für solche Fälle gibt es aber verschiedene 
 Dinge, die haltbar bleiben.  Salami zum Beispiel. Die mit
der weißen Pelle . Oder geräucherter Schinken.... hält
mindestens ein Jahr. Das passt rein. Und wenn es unterm
Deckel steckt!"
Eigentlich wollte ich weinen. (Was nutzt mir eine Salami, 
wenn ich die Pelle nicht abkriege?)
Und Mamusch nahm mich in den Arm. Und den Yayo.
Und Kleiner Bruder noch links dazwischen. Paps kam
in den anderen Arm.  Man sah ihn gar nicht mehr. Nur 
noch das Haupthaar...
"Alles wird gut", sagte Mamusch. "Das ist immer so.
Wenigstens bei uns ist das so!"
Ja! Eine Familie ist was Wunderbares! Da hält einer zu
dem anderen. Egal, was passiert. Auch wenn jemand
daraus operiert wird, hält man zusammen. Jeder zaubert
seinen eigenen gutgemeinten Rat aus dem Hut.
Paps schrieb schon mal den Einkaufszettel und suchte nach
passenden Tüten für das Fresspaket. Eigentlich dachte er
daran, diese leckeren Frikadellen zu braten. Aber die
halten ja nur drei Tage.
Der Yayo verhielt sich unauffällig, und aß mir in den
folgenden Tagen nix weg.
Kleiner Bruder überließ mir sein nächtliches Lager und
verkrümelte sich auf das Ledersofa. Eigentlich hätte ich
auch sehr gern darauf genächtigt. Aber das Sofa war voll.
Mamusch machte nichts. Nur ein geheimnisvolles Gesicht.
"Alle Dinge haben ihren Namen", sagte sie und befahl
mich auf ihr Kuschelsofa.
"Atila Morgenstern! ... Du musst einfach etwas ruhiger
werden. In allen Dingen, die mal passieren können.
Und du solltest daran denken, dass alles ein Ende
hat. Nur die Wurst hat zwei, weißt du!"
Sie machte ihre Musik an. Die mit dem schönen
Wasserrauschen und dem Wellengang. Das hört sich
immer wieder gut an. Beruhigend und entspannend.
Und sie sagte mir, dass in jedem Wesen großartige
Wunder stecken. Man müsse sie nur zulassen. Und
raus lassen. Aber bevor ich sie raus lassen konnte, da
schlief ich ein. Es war ein wirklich so schöner Schlaf.
Ich träumte nämlich von Bratkartoffeln. Sie trugen
kleine Pantöffelchen mit dicken Speckschnallen daran.
Hinter den Bratkartoffeln marschierten zusammen
gerollte Kochschinken wie eine Armee im Gleichschritt,
und sahen mit ernstem Gesicht an den Bratkartoffeln
vorbei. Kleiner Bruder jonglierte mit seinen herrlich
knusprigen Frikadellen, aus denen neugierig die
würzigen Geschmacksverstärker heraus lugten. Er war
sehr konzentriert bei der Sache. Es fiel leider keine
herunter, die ich hätte auffangen und futtern können.
Zwischendurch die Stimme von Mamusch, ich solle
meine wunderbringende Kraft raus lassen, wenn
möglich, in diesem Augenblick. Dann sah ich die
 Salami mit der weißen Pelle auf mich zu tänzeln.
Ja, ... tatsächlich! Sie legte einen Striptease  hin, der
wirklich nicht von schlechten Pfoten war, und ...
wickelte sich aus der Pelle, bis sie ohne alles vor mir
stand. Aufrecht! Beschämt wollte ich weggucken. Aber
ich hatte doch solchen Hunger...   dann wieder die
gleichbleibende Stimme von Mamusch, ... ich möge doch
 die Schwingungen meines Energiefeldes wahrnehmen.
Es war so aufregend! Die Kochschinkenarmee formierte sich.
Kreiste die Bratkartoffeln ein. Ging zum Angriff über.
Es entbrannte ein mächtiges Gemetzel. Ein Knäul aus
Kartoffeln, Kochschinken und Pantöffelchen, dazwischen
die hüllenlose Salami. Mamusch Stimme, ... dass mein
Stirnchakra sich nun emotionell auf die Operation
vorbereite ... und ich leider am Vorabend des Geschehens
nix mehr zu essen kriege! Basta!  Kleiner Bruder sammelte
die Pantöffelchen ein und knabberte sie weg. Einfach so.
Auf dem Schlachtfeld lagen leblos die Kartoffeln. Der
Kochschinken rollte sich wieder zusammen und ging an
mir vorbei. Hämisch grinsend. Nur die Salami blieb bei
mir. Ihr Duft war betörend. Als ich meine Schnüss
öffnete, um hineinzubeißen, wieder die sanfte Stimme
von Mamusch ... dass sie nun rückwärts von Neun bis
Null zu zählen begänne, und ich optimal auf meinen
wichtigen Tag vorbereitet sei. Welch ein Drama. Bei
Vier nahm die Salami ihre Pelle und warf sie gekonnt
über die leblosen Bratkartoffeln. Paps erschien auf dem
Schlachtfeld. Und schnitt die Salami mit ernstem Gesicht
in hauchdünne Scheiben.
"Es gibt Momente im Leben, die man einfach akzeptieren
muss", flüsterte Mamusch bei Null, und ausgehungert sah 
ich eine der leckeren Scheiben vor meiner Stirn hin und
her pendeln. Gern hätte ich diesen Traum weitergeträumt,
schon allein aus dem Grund, um zu erfahren, was denn
nun aus dem Kochschinken geworden war. Leider träumte
ich die darauffolgende Nacht einen anderen Traum.
Dann wurde ich operiert. Es war schon schlimm. Aber wer
tapfer bleibt, wird ein Held. Abwechselnd hielten Paps und
Mamusch meine Pfote. Mitunter fühlte ich ein bisschen
Sabbel von Kleiner Bruder auf meinem Gesicht. Die
federleichte Berührung von Yayo ... Ja!  Es ist gut, wenn
man eine Familie hat. Ehrlich!
Liebes Tagebuch, es war eine harte Woche.
Aber wie Mamusch schon sagte   ... "Alles wird gut."
Endlich ist all das Eisen raus und siebzehn lange
Schrauben.
Vielleicht werde ich irgendwann einmal wieder richtig
laufen können. Vielleicht auch nicht. Hauptsache,
ich werde geliebt.
Auf bald, mein lieber, alles verstehender Freund.
 
Dein Atila Morgenstern

21.12.2010
 
Guter Freund ...
 
Ich habe Sehnsucht nach deinem Schweigen.
Bald ist Weihnachten. Ich werde glücklich sein.
Und der Yayo ist glücklich. Weil er noch nie ein
Weihnachten hatte. Kleiner Bruder bleibt eher
gelassen. Und souverän. Wie ein Philosoph mit
ohne Rüssel eben sein sollte. Auch an Weihnachten.
Mamusch und Paps haben entschieden, dass wir
keinen Weihnachtsbaum in die Stube stellen.
Weil der Yayo die Goldsterne stibitzt. Und den
Strohengelchen in ihre offenen Münder schaut,
um sie danach aufzufuttern. Aus seinem Popo kam
gestern eine Strohgirlande heraus. Mit ernster Miene
stellt Mamusch nun wunderschöne Kerzen auf den 
Tisch. Auch mit Rücksicht auf diejenigen, die kein
Weihnachten haben. Die noch nie eines hatten.
Die Hauptsache bleibt, sagt sie, dass wir uns 
liebhaben. Jeden Tag. Und jede Stunde. Jede Minute.
Und dass wir uns nie verlieren. Vielen anderen
ergeht so. Und das ist traurig. Gerade an solchen 
Tagen. Natürlich hat sie alle Wunschzettel eingesammelt
und diese auf den Fenstersims gelegt. Paps hatte einen
richtig hellen Schein über seinem Haupthaar liegen, 
während er nach draußen ging und nachsah, ob und
wer sie wohl abgeholt hat, ... es war sehr, ja, wirklich sehr
geheimnisvoll. Ich bin so aufgeregt, weil ich mir einen
Kauknochen wünsche, der immer wieder nachwächst,
je länger man daran knabbert. Yayo wünscht sich,
nie wieder sein Zuhause zu verlieren. Kleiner Bruder
hat seinen Wunsch nicht verraten. Weil er sonst nicht
in Erfüllung geht. Paps hat keine Wünsche. Er ist immer
zufrieden mit dem, was er bekommt. Guter lieber Paps ...
"Ich wünsche mir auch nichts", vertraute vorgestern
Mamusch mir an. "Keine warmen Socken, weil ich die
von Paps anziehe, und auch keinen Pullover, nämlich Paps
seine sind viel gemütlicher!" (Aber ich soll es unbedingt für
mich behalten! Sag du also auch nix)! Ich weiß aber, dass
sie gern etwas mehr Platz im Haus hätte. Für die, die an
diesen heiligen Tagen weinen. Weil sie sich so gern eine
Familie wünschen. Und ein Zuhause. So wie ich eines
bekommen habe. Und der Yayo. Und kleiner Bruder. Wir
denken sehr oft an die Kameraden, denen es so ergeht.
 Denn ich habe nicht vergessen, dass es mir einmal auch
so erging. Damals auf der Straße. Als die Menschen an mir
vorbei gingen. Sie sahen einfach in eine andere Richtung.
Auch als mein Magen ganz laut knurrte, sahen sie weg.
Sie sahen auch nicht zu denen, die an den Hauswänden
lagen und froren. Wahrscheinlich hatten sie keine Zeit.
Gerade zu Weihnachten haben die Menschen viel zu tun.
Sie drängeln sich durch die Geschäfte und sind mit
unzählig vielen Paketen beladen. Sie überlegen, ob sie
eine Gans oder einen Rehbraten auf den festlich gedeckten
Tisch stellen sollen. Manchmal kaufen sie auch unsinnige
Geschenke ein. Die eigentlich gar keiner braucht. Und will.
Nein ... Ich habe nichts vergessen. Nichts aus meinem
zertrümmertem Leben. Niemand von meinen Kameraden
wird es wohl anders ergehen, der ein Glück bekommen hat.
Weil es nichts Schöneres gibt, als Liebe zu erfahren. Und
Gerechtigkeit. Das sind nämlich zwei sehr wertvolle Geschenke.
Der Stern ist wieder da. Er war einige Zeit nicht zu sehen. Ich
frage mich, wen er wohl hin in das Anderland getragen hat ...
Vielleicht wird er es verraten, sobald Mamusch mit uns hinaus
geht vor das Haus, damit wir unsere guten Wünsche hinauf in
den Himmel werfen können. Und unsere Gebete für die
Glücklosen. Yayo möchte für Blue und Nico beten. Niemand hat
sie bisher bemerkt. Oder zu ihnen herüber geschaut. Sie sind
einsam. Manchmal findet man dort sein Glück, wo man es nicht
vermutet, sagt Kleiner Bruder. Man muss nur ein wenig genauer
hinsehen. Ich habe vier äußerst wichtige Wünsche ... zuerst aber
möchte ich dir danken, liebes Tagebuch. Mein alles verstehender
Freund. Ich möchte auch Paps danken. Dafür, dass er uns alle
liebt. Jeden Tag. Und jede Stunde. Mit einem Lächeln auf
seinen Lippen. Und mit dem hellen Schein über seinem Haupthaar.
Ich möchte denen danken, die ihren Weg zu diesen Zeilen
gefunden haben. Die vielleicht noch ein klitzekleines Plätzchen
frei haben. Oder frei machen können. Für die, die frieren.
Die hungern. Die weinen. Für die Hoffnungslosen. Die trotzdem
nicht aufgeben, weil ihnen nichts anderes geblieben ist, als sich
ein Leben zu erträumen. So wie ich mir meines erträumte. Und
der Yayo sich seines erträumte. 
 .. Lieber Gott.
Wenn du jetzt gerade einen Augenblick Zeit hast, dann lass doch
ein kleines Wunder geschehen. Oder ein etwas größeres. Für meine
Kameraden. Und für all die anderen Tiere auf dieser großen Welt.  
Die nichts anderes  schenken können als ihre Liebe und ihre Treue.
Wenn du danach noch ein bisschen Zeit übrig hast, dann bitte ich
dich, beschenke auch die Menschen. Gib ihnen Kraft. Für diejenigen,
die ihre verloren haben. Und wirf deinen Atem über jene, die es uns
ermöglichen, unseren Traum zu leben. Denn Mamusch sagt ; alles
Leben ist von deiner Hand berührt worden. Das aufrecht gehende.
Das immer wieder neu erblühende. Und wir. Die Tiere.
Es ist doch Weihnachten ... Danke lieber Gott.
 
PS. Und bitte entschuldige, dass es mich wieder überkam vor einigen
      Tagen. Als Mamusch diesen leckeren Erbsen- und Möhrcheneintopf
     für zwei Tage gekocht hat und ich meinen Gurkenhals formte, um  
      in den Topf zu gelangen. Ja. Es tut mir leid. Auch deshalb, weil
     der Yayo Schmiere gestanden hatte und ich versehentlich alles
      alleine aufgefuttert habe. Auch die Mettenden und die Kohlwurst.
      Ich weiß, dass ich wenigstens die Speckwürfelchen hätte abgeben
      können. Dafür aber hat der Yayo meine Milchstange geklaut. Also
       ist alles wieder gerechterweise im Lot. Kleiner Bruder hat zum
      Glück nichts davon erfahren. Weil er um diese nachtschlafende
      Zeit seinen Popo lüften muss ... er ist nun mal sehr reinlich.
 
     Gesegnete, hoffnungsvolle Weihnacht allen Tieren und Menschen.
                   Atila Morgenstern
 

 



24.12.2010

Liebes Tagebuch
 
... "Ich muss gehen", sagt Wanja zu ihrem Pflegefrauchen.
 
Doch auch wenn ich fort bin, dann halt mich ganz fest ...
Wenn du über mich redest ... und von mir träumst.
Wenn du mit mir lachst ... während du um mich weinst.
Halt mich auch fest, wenn du schweigst ... und an mich denkst.
Wenn du mich so festhältst, ganz fest, ... dann bleibe ich dir nahe.
Dicht neben dir. Während du weinst. Und lachst.
     Und von mir träumst ...
 
Wanja ist gestorben.
Und zog mit dem Stern.
Die sie von Herzen liebten, sind sehr traurig.
Doch  Wanja sagt ; "Ich werde nicht mehr leiden. Und weinen.
Ich darf glücklich sein. In einer anderen Welt. Unter einem
anderen Himmel. Unter einem prachtvollen, mit blassblauen
Wolken durchzogenen Himmel werde ich dem Wind hinterher
jagen und glücklich sein."
 
Wir wünschen dir Glück, Wanja. Ganz viel.
  Den Menschen, die dich in deinem Leid allein gelassen haben, wünschen wir kein Glück.

               

 

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