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20. März 2011

Mein alles verstehender Freund ..
 
vielleicht tut es mir gut, dir einige Worte anzuvertrauen.
In dieser Zeit unserer Trauer um Paps. Es ist eine schlimme
Zeit. In der wir noch ein wenig näher zusammen gerückt
sind und einander wärmen. Mamusch, Kleiner Bruder, Yayo,
und ich, Atila Morgenstern. Wir achten sehr darauf, dass
niemand unserer Mamusch zu nahe kommt. Sie soll spüren, 
wie sehr wir sie lieben. Ich glaube, dass es ihr recht so ist.
Neulich war ein Mensch von einer Versicherung zu Besuch.
Er wollte sicherlich nichts Böses, dennoch blieb er unseres
Erachtens viel zu lange. Auch als wir unseren Benimm
vergaßen und laufend an seinem oberen Hosenbein zu
schnuffeln begannen, blieb er ganz ruhig auf dem Sofa
sitzen und sah in eine andere Richtung. Als Mamusch ihm
keinen Kaffee mehr anbot und verstohlen die Wanduhr im
im Auge behielt, blieb der Versicherungsmann trotzdem und
plauderte leise vor sich hin. Letztendlich wurde es Kleiner
Bruder zu viel. Ich erkannte es an den vier durchsichtigen
Sabberfäden seiner linken Lefze. Die Fäden wurden immer
länger und dünner, blieben zuerst an der Tischkante hängen
und dann landeten sie stumm auf der wertvollen Aktentasche. 
Atemlos harrten wir aus und konnten beobachten, wie seine
Stirn sich zu bauschen begann. Mehr passierte aber nicht. Ich
spürte, dass wir in dieser Angelegenheit etwas unternehmen
mussten. Außerdem war es längst schon Essenszeit. Das sahen  
Kleiner Bruder und der Yayo genauso. Und wir entschieden,
dass einer von uns einen Pups lässt. Wer könnte das besser als
Kleiner Bruder? Er pupste seinen allerbesten Pups und es stank
gewaltig. Mamusch sah darüber hinweg. Sie kennt unsere Pupse.
Der nette Versicherungsmann ging wohl davon aus, dass einer
von uns das Zimmer verlassen muss. Wir blieben aber dicht vor
seinen Hosenbeinen sitzen. Dann machte der Yayo einen ganz
kleinen und leisen Pups. Das sind die schlimmsten. Die wirklich
gefährlichen, lange im Raum verbleibenden Pupse. Sie verwehen 
nicht so schnell wie die lauten und andauernden Pupse. Aber
es war uns kein bisschen peinlich. Pflicht bleibt Pflicht. Alsbald
machte der nette Versicherungsmann sich endlich auf den
Weg. Er war bis heute nicht mehr zu Besuch. So machen wir das
häufig. Damit Mamusch mit uns allein bleiben kann. Wir wissen,
dass es ihr Wunsch ist, keine Menschen um sich zu haben. Sie
sagt, dass, wenn wir ganz alleine sind, sie viel besser mit Paps
kommunizieren kann. Er ist noch ganz nah. Wir fühlen es. Als
sich vor zwei Wochen der schöne Schnörkelwasserhahn an dem
Spültisch in der Küche zu lösen begann und mächtig wackelte,
rückte Mamusch entschlossen mit der Rohrzange heran. Ich
spürte förmlich Paps gerunzelte Stirn. Mamusch stand still und
horchte. Als höre sie jemandem zu. Dann brachte sie die große
Rohrzange wieder an ihren Platz zurück und kramte einen
Elfer Schlüssel aus der Werkzeugkiste hervor. Nun wackelt der  
Hahn nicht mehr. Wir sind in dieser traurigen Zeit wirklich
sehr brav. Für Mamusch. Sie sagt es jeden Tag. Und sie sagt,
dass jeder neue Tag immer wieder ein schrecklicher ist. Es ist
und bleibt kalt. Auch wenn die Sonne scheint, bleibt es kalt.
Wir fahren in den Wald, wenn kaum jemand dort ist. Es gibt
im Augenblick etwas weniger Ausfahrt. Aber wir verstehen es.
Aus dem Grund entschloss Mamusch sich, ein neues Zuhause
für den Yayo zu suchen. Er sollte es besser haben. Mehr nach
draußen kommen. Doch dann ... Kleiner Bruder dachte
nach. Ich, Atila Morgenstern dachte nach. Yayo verhielt sich
außergewöhnlich vorbildlich. Und Mamusch weinte. Und
sie suchte kein neues Zuhause für den Yayo. "Wir sind eine
Familie. Wir müssen zusammen halten. Wir müssen einander
wärmen und wir müssen uns weiterhin kleine Geschichten
erzählen", sagte sie in einer Nacht. Da haben wir alle ein
bisschen geweint und uns einander ganz festgehalten. Ja,
das haben wir getan. "Wir können nichts verlieren, das wir 
sind", sagt Kleiner Bruder. "Deshalb bleibt alles so, wie  unser
Paps es gern möchte. Und wie es geschieht." Ich finde, dass
Kleiner Bruder ein wirklich hervorragend kluger Philosoph
ist. Auch wenn seine Pupse ziemlich lang anhaltend bleiben.
Trotzdem bleiben Yayos Pupse die besten. Die werden dann
eingesetzt, wenn Not tut. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe,
vertraute der Yayo uns an. Aber das muss Mamusch ja nicht
wissen. Also sag du auch nix, liebes Tagebuch. Es gibt keine
besseren Freunde, weißt du ... Sie schweigen. Sie verstehen.
Der schöne Stern ist noch immer fort. Wie gern würde ich
vor das Haus gehen und ihn rufen. Doch Mamusch sagt,
dass der Stern viel, sehr viel Zeit braucht, um zu uns zurück
zu finden. Vielleicht kehrt er nie wieder zurück. So werde ich
versuchen, etwas Schönes zu tun. Für den Stern. Für Paps.
Für unser aller wundgewordenes Herz ..
 
 
... Geh nicht ... raunt es durch verbleibende Zeit.
Ohne Dich ... Wehmut flüsternd, Schmerz stumm schweigt.
Tag und Nacht  vermag eines Weges Spuren nicht verwischen ...
Frieden seufzt leise. Alles verstehend. Wirft seine Schatten auf
fortfliehende Zeit. Unausweichlich endgültig ... letztes Wort
formende Lippen ... Die Liebe bleibt. Still verwundbar dieser
Augenblick. Kehrt nie mehr zurück. Himmel neigt sein
Tränengesicht... Seele zieht fort. Sucht ihren Weg durch
Schatten und Licht ... Sie braucht ihre Zeit. Die Liebe ... bleibt.
 
 
Wir lieben dich, Paps. Und grüße den wunderschönen Stern.
 
Dein Atila Morgenstern
 

 

 

15. Mai 2011
 
Lieber Freund
 
So fließt ein jeder Tag hinein in die Nacht und kehrt erfrischt
zurück. Draußen ist es Frühling geworden. Manchmal verweilen
wir beinahe die ganze Nacht auf der Terrasse und beobachten die
Vögel, die sich nach Sonnenuntergang in ihre Nester und zwischen
die Kronen der Baumwipfel verstecken. Einige von ihnen singen
noch ein kleines Abendlied. Dann schweigen auch sie und schlafen
ein. Es ist schön, diese Stille zu leben. Man kann sich in seinen
Gedanken verlieren, oder sich die beginnende Nacht anschauen. Es
gibt so viele Dinge, über die ich nachdenken muss. Mamusch hat den
Wasserbrunnen im Garten mit Spiritblumen und Lichtern geschmückt.
Natürlich haben wir unser Bestes gegeben, ihr dabei zu helfen. Der
Yayo trug die weißen Kiesel ins Haus und ich brachte sie wieder nach
draußen. Kleiner Bruder lag bequem ausgebreitet im Schatten und
kontrollierte den Arbeitsablauf. Dieser Brunnen, sagt Mamusch, ist
ein Zauberbrunnen. In ihm verbirgt sich ein großes Geheimnis. Um
dieses zu wahren, wachen zwei heilige Engel darüber und sie weichen
nicht einen Augenblick von seiner Seite. Ich erinnerte mich an diese
Nacht, in der es noch angenehm warm war und wir den Himmel nach
Sternen absuchten. Da geschah etwas sehr merkwürdiges. Über dem
Brunnen lag mit einem Mal ein feines, hauchdünnes Licht. Es strahlte
solch einen Frieden aus. Eine Zeitlang blieb das Licht, dann war es
plötzlich verschwunden. So fragte ich Kleiner Bruder eine Weile später,
bevor er sich bereit machte, seinen Popo zu lüften, ob dieses so schöne
Licht einer der Engel war, der den Brunnen bewache. "Ich denke schon,
dass es einer der beiden war. Engel sind eigentlich überall, weißt du.
An allen Ecken und Enden dieser Welt halten sie sich auf. Doch die
meisten Menschen erkennen es nicht. Weil sie zu sehr mit ihren
alltäglichen Dingen beschäftigt sind oder weil sie eben nicht an
Engel glauben." Er lüftete seinen Popo und ich wußte, wie ungern er
sich dabei stören ließ. Also fragte ich nicht weiter. Dennoch musste
ich noch sehr lange über die beiden Engel nachdenken und was es
mit dem Licht auf sich hatte. "Vielleicht ... hatten sie eine Botschaft
für uns", warf Kleiner Bruder einen Seitenblick zu mir herüber. "Das
ist manchmal so. Wenn etwas außergewöhnliches geschehen wird,
erscheint dieses Licht und verharrt genau dort, wo es passiert." "Lag
es schon mal über dem Brunnen?" "Ja." "Und was geschah danach?"
... "Jemand wurde abgeholt, mein lieber Freund." Kleiner Bruder ist
das Beste, das mir je in meinem Leben passiert ist. Er weiß einfach
auf alles eine Antwort. Und ich nahm mir ernsthaft vor, niemals
wieder an den weißen Brunnensteinen Pipi zu machen. Und auch
der Yayo machte kein Pipi mehr daran. Ehrfürchtig ließ er auch die
Drosselfamilie von dem Wasser trinken, bevor er sie zu jagen begann.
Ich fing an auf das Licht zu warten, sobald es Nacht wurde. Mamusch
rief mich auf das Kuschelsofa und wir rückten ganz eng zusammen.
"Das schöne Licht, sagte sie", kommt nicht, wenn du angehst, darauf
zu warten. Es kommt immer dann, wenn du beginnst, es zu vergessen.
Oder wenn du gerade an etwas anderes denkst. Dann ist es plötzlich
wieder da und wirft seine Botschaft herab". Das klang wirklich sehr
einleuchtend. Trotzdem konnte ich nicht vergessen. Vielleicht war es
eine Botschaft von Paps ... Sicherlich fühlt er unseren Schmerz und er
sieht all die Tränen, die Mamusch weint. Und der Yayo. Und Kleiner
Bruder und ich ... Atila Morgenstern. Es tut ihm weh. Vielleicht kann
er seinen Weg, der ihm bestimmt ist, nicht weitergehen, solange er
unsere Tränen weint. Es ist so schwer, mein liebes Tagebuch, all das
zu verstehen. Einige Wochen nach der Geschichte mit dem Licht wurde
Kleiner Bruder in sich gekehrter. Er dachte nach. Er schnarchte nicht
mehr. Er ließ Mamusch nicht mehr aus den Augen. Als ahne er, dass
etwas geschieht. Und er nahm mich zur Seite. "Vielleicht, sagte er, wird
der Stern zurück kommen. Ich meine seine Anwesenheit zu fühlen. Es
wäre so schön, käme er endlich zurück". "Wird er Nachricht von Paps
überbringen?" "Ja. Er wird Nachricht von Paps überbringen. Und er
wird noch etwas anderes tun. Alles hat seine Zeit, mein lieber guter
Freund. Und ich erahne das Ende meiner Zeit. Mein Leben war schön.
So schön, dass ich beruhigt in das Land der Vier Himmel eingehen
kann, ohne etwas zu bereuen. Ich weine, weil ich euch bald verlasse.
Aber ich fürchte mich nicht. Weil ich keine unerledigten Dinge mehr
habe. Weil ich in untertänigster Hingabe geliebt habe und geliebt
wurde. Und ... ich werde Paps wiedersehen. Für eine kurze Weile. Aber
ich werde ihn sehen und ihm sagen können, wie sehr er geliebt wird.
Von mir. Von dir. Von Mamusch. Und von Yayo. Du musst dich daran
gewöhnen, meinen Platz einzunehmen. Bewahre die Geborgenheit
des Hauses und lasse niemanden hinein, der nicht hinein darf. Achte
darauf, dass Mamuschs Puschen bei jeder Gelegenheit recht ordentlich
besabbert sind, sobald sie hinein schlüpft. So ist sie es seit neuneinhalb
Jahren gewohnt. Überdenke erst eine Sache, die du ausführen willst,
bevor du sie tust. Bleibe so nahe wie nur möglich an Mamunschs Seite,
und an der Yayos. Ihr müsst euch ganz festhalten. Erzählt euch auch
weiterhin kleine Geschichten. Oder etwas größere Geschichten. Richte
deinen Blick ab und an auf den Brunnen. Manchmal werden die
Engel eine Nachricht für euch herab werfen. Eine Nachricht aus dem
Land der Vier Himmel. Eine Nachricht von unserem geliebten Paps.
Ich habe dich mit all meinem Wissen beschenkt. Bitte enttäusche mich
nicht. Und noch etwas sehr, sehr Wichtiges ... bitte höre endlich auf,
diese abscheulichen Kuhfladen in dich hinein zu stopfen. Das habe
ich schließlich auch nie getan." ... Wir berührten einander. Sehr nahe.
Es tat so weh. Und doch so gut. Die Wärme zu spüren. Die Wärme von
meinem Freund, dem kleinen Elefanten mit ohne Rüssel. Der seinen
Popo so reinlich lüftete. Der immer Rat wußte. Der immer Recht hatte.
Der ein großartiger Philosoph war. Der sein Essen mit mir teilte, wenn
ich  meines schon vertilgt hatte. ... In der Nacht, als der schöne Stern
heller und leuchtender denn je über unserem Haus stand, warfen
wir unsere Gebete weit in den Himmel. Hinauf zu dem Stern, der all
die vielen anderen Sterne mitgebracht hatte, auf dass sie unseren
Schmerz ein wenig lindern. Und unsere Tränen auffangen. Uns Licht
spenden. Und Trost. Die ganze Nacht sahen wir zu dem Stern hinauf.
Als er davon zog, war Kleiner Bruder auf ihm gesessen. Ich glaube,
dass er glücklich und traurig zugleich war. Über dem Brunnen war
das feine hauchdünne Licht. In derselben Nacht. Am nächsten Tag.
In der folgenden Nacht... Und in der darauf folgenden Nacht war
das Licht fein und voller Frieden. ... Mein Freund ... Ich lege meinen
Stift zur Seite. Und ein weißes Blatt Papier über dein Gesicht. Ich
trage dich zu Mamuschs Lieblingsort. Und ich danke dir. Weil du
all dies mit mir getragen hast. Auch du musst ausruhen. Von all dem.
Wir müssen ausruhen. Von all dem. Zuviel ist geschehen. Es tut so weh.
... Alles in uns ist ein großer Plan. Auch die Zeit wurde mit hinein
geschrieben. Und sie hat die Zeit ihrer Emotionen. Auf ihrem Weg
durch die ewiglichen Sphären ahnt sie die Wahrheit. Die immer schon
in ihr ruhte. Die immer schon in uns ruhte. In mir. Und in dir.
 
Dein Atila Morgenstern
 

 

 
 

 

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